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1990

Datum Chronikeintrag: 10. Oktober 1990

Jubiläumsfeier 100 Jahre Gasthof Canisius.

Der Gasthof Canisius ca. 1904 – 1906

1890 – 1990: Hundert Jahre Gasthof Canisius Wülfte

Von Werner Vogt, Wülfte

Am 17. September galt es in Wülfte ein besonderes Fest zu feiern: der Gasthof Canisius bestand 100 Jahre, ein Jubiläum, das Anlass gibt, in der Geschichte dieses Hauses nachzublättern.

Schon lange vor Eröffnung einer Gaststätte war das Haus Nr. 18 mit dem Namen Canisius eng verbunden, da neben den Wohnräumen im Erdgeschoß die Wülfter Schule untergebracht war. Schon Lehrer Josef Pieper, der am 22. April 1877 die Schulstelle in Wülfte übernahm, benutzte als erste Aufzeichnungen in der Wülfter Schulchronik nach mündlicher Überlieferung die Verhältnisse und das Leben in der Schule zur Zeit seines Vorgängers Georg Canisius.

Geboren 1798, versah dieser Georg Canisius schon mit 16 Jahren den Schuldienst. Als er im 70. Lebensjahr am 04. November 1868 starb, war er 54 Jahre als Lehrer tätig.

Dass es mit der baulichen Substanz der alten Schule schon zur Zeit des Lehrers Georg Canisius nicht zun Besten stand, kann man aus einem Brief des Amtsmanns Aüffenberg an den Gemeindevorsteher Gerlach am 07. Dezember 1852 entnehmen. Demnach hatte der Lehrer das Haus wegen Baufälligkeiten verlassen müssen und am 02 Dezember 1852 war sogar ein Brand ausgebrochen.

Erst in der weiteren Amtszeit Lehrer Piepers war die Baufälligkeit so weit fortgeschritten, das nach einer baupolizeilichen Revision im Jahr 1884 durch Kreisbauinspektor Carpe, Brilon, die Anordnung eines Neubaus einer Schule die Folge war. Da aber gleichzeitig die Einwohner die erheblichen Kosten der Separation bezahlen mussten, wurde seitens der Gemeindevertretung durch einen Gesuch an den Herrn Oberpräsidenten in Münster ein Ausstand zum Neubau bis 1889 bewilligt. Der Neubau der Schule inmitten des Dorfes begann dann 1889, so das schon am 05. April 1890 der Umzug in das neue Schulgebäude bewerkställigt wurde. Die nun leerstehende Schule im Unterdorf wurde nun vom Gärtner Wilhelm Canisius erworben.

Noch im selben Jahr, am 17. September, wurde ihm die Konzession erteilt, im Wohnhaus Nr.18 eine Gastwirtschaft zu betreiben. Mit der Erlaubnis waren Bedingungen verknüpft, die Wilhelm Canisius bis Frühjahr 1891 erfüllen musste, und zwar Einrichten der Wirtsstube und eines Fremdenzimmers. Die erste Erwähnung dieser Gaststätte in einer Zeitung erfolgte am 16. August 1893.

Am 01. Mai 1907 wurde von der Post im Gasthof Canisius eine öffentliche Fernsprechstelle eröffnet. Gärtner Wilhelm Canisius starb 1913 und hinterließ seine Frau Theresia, geb. Decker, und 10 Kinder. Sein Nachfolger war sein Sohn Wilhelm, der neben der Gastwirtschaft die Postzustellung im Dorf bewerkstelligte und ein Lebensmittelgeschäft ab 1924 führte. Am 23. Mai 1923 heiratete er Sofia Hagenhoff aus Herdringen. Fünf Kindern schenkte sie sein Leben.

1927 wurde die ,,Alte Schule“, wie man den Gasthof noch immer im Dorf nannte, großzügig umgebaut. 1952/53 baute Wilhelm Canisius, den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, einen Saal an. Sein Sohn Willi, verheiratet am 04. September 1956 mit Maria Stratmann, war es nicht vergönnt, die Gaststätte weiterzuführen. Er starb im Herbst 1967. Da die vier Mädchen aus dieser Ehe noch klein waren, führte Paul Diedrich mit seiner Frau Margott, geb. Canisius, vorübergehend die Gaststätte und kümmerte sich um die Post.

In dieser Zeit wurde 1971 für das Lebensmittelgeschäft ein neues Haus mit Wohnung errichtet und 1973/74 das Gastzimmer vergrößert und großzügig im rustikalen Stil geschmackvoll und gastlich renoviert. Am 23. Mai 1971 feierten Wilhelm und Sofia Canisius das Fest der Goldenen Hochzeit. Neben der Verwandschaft nahm das ganze Dorf daran teil.

Nach der Schulentlassung bereitete sich Birgit Canisius, das zweite von den oben genannten vier Kindern, auf die Übernahme der Gaststätte vor. Sie besuchte eine Wirtschafterinschule und praktisch arbeitete sie in mehreren Hotels. Am 19. Februar 1982 hairateten Werner Luis, ein Sohn des Dorfes, und Birgit Canisius.

Unter den vielen Gratulanten des Dorfes war auch der Spielmannszug Wülfte. Seit der Gründung im Jahr 1975 ist der Gasthof Vereinslokal dieser jungen Wülfter Spielleute.

Zweifellos genießt der Gasthof Canisius set den vielen Jahren seines Bestehens nicht nur im Dorf, sondern auch in der Umgebung von Wülfte einen hervorragenden Ruf, so das man für die Zukunft dem Gasthof Canisius ein weiteres Blühen und Gedeihen wünschen kann.

Ad multos annos!

Anschluss an das Kabelnetz (Kabelfensehen).

Jubiläum 300 Jahre St. Anna Kapelle Wülfte.